Vorsicht beim kleinen Hund!

Je kleiner der Hund, desto größer die Aufgabe!

Berliner Zeitung, T. Böhm

BZ-Hunde-Experten Enrico Lombardi erklärt Haltung und Erziehung bei Bonsai-Züchtungen. Die Lütten gelten als süß und praktisch. Spezielle Züchtungen wie Prager Rattler, Chihuahua und Yorkshire Terrier passen in eine Handtasche und der Tea Cup Pudel sogar in eine Tasse. Aber sind diese Rassen überhaupt lebensfähig und für wen sind sie überhaupt geeignet?

Tierärzte warnen: „Familien mit Kindern sollten sich solche empfindlichen Tiere nicht anschaffen, sie sind kein Spielzeug, auch wenn sie so aussehen. Die Kleinsten von ihnen haben keine geschlossene Schädeldecke, die Kniescheiben sind instabil, ihre Knochen sind dünn, grobes Handling vertragen sie nicht, ein Stoß vom Sofa kann sogar zum Tod führen. Alle Hunde, die unter zwei Kilo wiegen, haben es schwer im Leben."

Ihr schwaches Immunsystem und ihre ständig tränenden und entzündeten Augen, die hervorstehen, damit das Babyface besser zum Ausdruck kommt, machen den kleinen Hunden ebenso zu schaffen wie Hitze und Kälte. Sie sollten trotzdem nicht auf dem Kuschelkissen leben und mit Pralinen gefüttert werden. Es sind Hunde und die brauchen Bewegung und was Anständiges zu kauen. Hochwertiges, spezielles Kleinhundefutter ist dringend zu empfehlen. Sonst müssen sie wegen Zahnsteinproblemen schon sehr früh zum Tierarzt. Für BZ-Hunde-Experten Enrico Lombardi sind die Bonsai-Züchtungen, was Haltung und Erziehung betrifft, ganz normale Hunde: „Sie sind sicherlich keine guten Begleiter beim Joggen oder Wandern, sollten sich sonst aber genau so verhalten können, wie es ihrer Art entspricht.

Die Größe spielt bei diesen Vierbeinern im Sozialverhalten keine Rolle. Alter und Ausdruck sind entscheidend. Und sie werden auch nur zu Kläffern, wenn man sie ständig auf den Arm nimmt, weil man Angst hat, ein großer Hund würde ihnen etwas antun. Das macht sie zu Angst- und Frustbellern. Ich kenne genügend Terrier, die sogar Schäferhunde in die Schranken weisen." Einen Unterschied gibt es noch: Bei guter Haltung und Pflege können kleine Hunde älter werden, als die großen Rassen.

Chihuahua

Widerristhöhe: 25-30 cm, Gewicht: zwischen 1,5 und 3 Kilo. Wesen: Robust, lernfähig und gutmütig. Wurde im 8. Jahrhundert in Mexiko von Aztekenpriestern gehalten. Als Führer toter Seelen auf der Reise ins Jenseits wurde er mitbegraben. Bei den mexikanischen Indianern standen der Chihuahua auch auf dem Speiseplan.

Prager Rattler, eine Pinscherart

Widerristhöhe: 20-23 cm, Gewicht: um die 2 Kilo. Wesen: gutmütig, sehr aufmerksam und konzentriert. Wurde früher zu Präsentationszwecken an tschechischen Fürstenhäusern verwendet. Als Arbeitshund hielten er Haus und Stall von Ratten frei.

Toy Pudel

Widerristhöhe: 25 cm, Gewicht: 6 Kilo, Wesen: verspielt, lebhaft und treu. Er wurde früher für die Jagd nach Sumpfvögeln eingesetzt, später hielt man ihn an französischen Königshöfen. Der Tea Cup Pudel ist noch kleiner, wird bislang aber nur in Amerika gezüchtet.

Yorkshire Terrier
Widerristhöhe: 40-45 cm, Gewicht: rund 3 Kilo. Wesen: selbstbewusst, lebhaft, wachsam und intelligent. Er stammt aus den ärmsten Schichten in den Nordenglischen Industriestädten des 19. Jahrhunderts. Seine Aufgabe war es, die Städte von Ratten und Mäusen frei zu halten, er wurde aber auch zur Jagd auf Kaninchen eingesetzt.

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